Wie wir uns Ziele setzen, die uns wirklich voranbringen

Aktualisiert: Juli 20

Mir begegnet es in meiner Coachingtätigkeit immer wieder: Klient*innen können - oder wollen - keine klaren Ziele setzen.


Dabei sind Ziele ja an sich eine super Sache. Sie wirken wie ein Magnet, der unsere Energie bündelt. Alles was wir tun, ist darauf ausgerichtet, dieses Ziel zu erreichen. Je klarer ein Ziel definiert ist, desto stärker ist der Magnet und desto schneller kommen wir dahin.

Doch wenn wir es dann erreicht haben, fallen wir entweder in ein Loch (Und jetzt?) oder wir realisieren, dass wir dadurch nicht die Erfüllung - oder das Unternehmensergebnis - bekommen, was wir uns erhofft haben. Also setzen wir lieber viele Ziele (Multitasking), oder wir ändern die Ziele ab (VUCA Welt), oder wir setzen eben gar keine (Go with the flow). Am Ende fühlen wir uns überfordert und orientierungslos.


Uns treibt die Angst, ein Ziel zu erreichen und dann festzustellen, dass dieser Weg eine falsche Entscheidung war. Deshalb setzen wir uns lieber gar keine Ziele.


Ich bin aus dieser Situation ausgebrochen, indem ich 850 Kilometer mit dem Rucksack durch Spanien gelaufen bin. Die "smarte" Zieldefinition war simpel: Nach Santiago de Compostela laufen (spezifisch), das Ziel ist erreicht, wenn ich vor der Kathedrale stehe (messbar). Da es das Einzige war, was ich überhaupt tun wollte, war es auch attraktiv. Und da es schon tausende Pilger vor mir gemacht haben, ist das sicher realistisch. Innerhalb von 6 Wochen wollte ich ankommen (terminiert).


Aber mal im Ernst: Wer läuft schon 850 Kilometer zu Fuß, nur um eine Kathedrale zu sehen, wenn es eine Direktflug-Verbindung von München nach Santiago de Compostela gibt?


Mir wurde klar, dass es neben diesem äußeren Ziel immer auch ein inneres gab, welches sich vielleicht erst auf dem Weg entwickelte.


Ich wollte Gemeinschaft erleben, meine eigenen Grenzen ausloten und das mit minimalem Gepäck und ganz viel Natur. Das Ziel „Santiago“ war nur der Zweck, um das erleben zu können.


Während das äußere Zielbild für andere sichtbar ist und oftmals das, was wir gesellschaftlich unter Erfolg verstehen, beschreibt das innere Zielbild, was wir erleben und lernen möchten und was uns antreibt.


Ein äußeres Ziel ohne Anknüpfung an „Warum will ich das eigentlich?“ ist Aktionismus. Irgendwann auf dem Weg sollten wir uns fragen, was wir mit der Aktion eigentlich bewirken wollen. Ansonsten stehen wir nach Zielerreichung da und wundern uns, warum wir gefühlt keinen Zentimeter weitergekommen sind.


Wenn wir uns ein Ziel setzen wollen, das uns wirklich voranbringt, müssen wir äußere und innere Ziele klären.


Ein inneres Ziel ohne Aktion bleibt Wunschdenken. Selbst wenn wir es mit viel Hingabe und Hirnschmalz heruntergeschrieben haben, passiert erstmal nix. Gemäß dem Spruch: „Es wird sich nie etwas ändern, wenn Du nichts änderst.“


Im Coaching wandle ich die klassischen Fragen für "smarte" Ziele so ab, dass sie auch für innere Ziele anwendbar sind:



Mein Praxistipp: So vereinst Du Deine äußeren und inneren Ziele:

  1. Nimm Dir ca. eine Stunde Zeit, in der Du ungestört bist

  2. Beantworte für Dich die Fragen bzgl. der äußeren Ziele. Das ist die klassische Kopfaufgabe, die wir aus Zielvereinbarungen oder der Projektarbeit kennen.

  3. Halte Dir nun noch einmal Dein Ziel vor Augen und beantworte die Fragen auf der rechten Seite. Antworte dieses mal aus dem Bauch und intuitiv.

  4. Triff jetzt ehrlich Deine Entscheidung: Auf einer Skala von 1-10: Wie wichtig ist das Ziel wirklich für Dich?



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